Mehr Pflanzen gucken.

Inga bilder? Webbversion

DeVaux'sches Absurdum XV

DeVaux

Weniger ist mehr.

Bonjour Love,

Höher, schneller, weiter, mehr. So kracht Leistungsdruck auf uns herab. Zu Hochzeiten war ich in vier Vereinen tätig, hatte diverse Mandate parallel, zig Künstler*innen in Betreuung, veranstaltete Konzerte, fand noch Zeit für Bergläufe, Hangovers, Albträume und Selbststudium.

Grösstenteils un- oder schlecht bezahlt, über fünfzehn Jahre. Es blüht mir selbstverständlich eine Renten-Tragödie. Das interessiert mich tatsächlich bis heute nicht. Herzensangelegenheiten, Engagement, Kultur. Irgendwo im Abspann flimmert mein Name über eine Leinwand.

«Mach doch mit! Tu doch was! Du könntest doch! Kannst du nicht? Mach doch mal!» Natürlich kann ich. Ich will nur nicht mehr.

Jeden Morgen, wenn ich heute aus meinem Zimmer in einen «freien Tag» hinein, in Richtung Kaffeemaschine schlurfe, strecken mich zwei Schüsse nieder. «Du faules Stück!» «Es gibt zu tun!» Aus der Kaffeemaschine rinnt ein Trübsal aus schlechtem Gewissen und Rechtfertigung.

Es war ein rebellischer Akt gegen den Kapitalismus, meine Lebenszeit zu verschenken. Es ist ein rebellischer Akt, es nicht mehr zu tun, in einer Welt, in welcher Zerstörung «multiple Hundert» bringt. Nicht, dass ich Roman sein wollte – vorher steck ich mir ’ne Gabel ins Gesicht.

Ich schlürfe das Trübsal mit Hafermilch und schau der Zimmerpflanze beim Wachsen zu.

Kiss, kiss – bang, bang.
DeVaux

Forward
 
 
Instant
 
 

Mehr Pflanzen gucken, Kaffee trinken, Briefe schreiben. Mehr auf dem Boden liegen, mehr an gestern denken. Mehr Geschichten lesen, mehr vergessen, mehr tanzen. Mehr schweigen, mehr egal sein. Mehr sonst wer sollen, mehr gar nicht kratzen. Mehr Pflanzen gucken.

 

Nur weil du kannst, musst du nicht.

 

DeVaux
Here for the first time? Oh boy.

You did not sign up for this? Me neither, not for most of it.

You get this because you get it.

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